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Der Flüssigkeitsbedarf von Babys und Kleinkindern

Der Flüssigkeitsbedarf von Babys und Kleinkindern

Wie viel sollte dein Kind am Tag trinken? Bei Babys kommt es zunächst darauf an, wie viel Milch und Beikost sie bekommen. Kleinkinder brauchen mit zunehmend festem Essen regelmäßig zusätzliche Getränke – am besten Wasser. Hier findest du Orientierung zur Trinkmenge, Tipps für den Alltag und Hinweise, wann du bei Flüssigkeitsmangel Hilfe holen solltest.

Wenn dein Baby anfangs nur wenige Schlucke Wasser nimmt, muss das noch kein Grund zur Sorge sein. Muttermilch, Säuglingsnahrung und Brei liefern ebenfalls Flüssigkeit. Mit der Einführung der Beikost verändert sich deshalb auch das Trinken Schritt für Schritt.

Wann brauchen Babys zusätzlich Wasser?

Gesunde Babys, die ausschließlich Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung bekommen, benötigen normalerweise keine zusätzlichen Getränke. Auch mit den ersten kleinen Beikostmahlzeiten reicht die Flüssigkeit aus der Nahrung meist noch aus.

Du kannst deinem Baby schon zum Beikoststart ein paar Schlucke Wasser aus einem offenen Becher anbieten. Dabei geht es ums Kennenlernen und Üben. Eine bestimmte Trinkmenge muss es dafür nicht schaffen. Regelmäßig zusätzliche Flüssigkeit wird bei der üblichen Breiernährung etwa mit dem dritten Brei nötig.

Wenn dein Baby drei Breimahlzeiten isst und daneben noch Milchmahlzeiten bekommt, sind etwa 200 ml zusätzliche Getränke am Tag eine Orientierung. Das ist kein fester Sollwert für jedes Baby von sechs bis zwölf Monaten. Bei anderen Essensplänen kommt es darauf an, wie viel Flüssigkeit dein Kind insgesamt über Milch, Essen und Getränke erhält.

Wird das Essen beim Übergang zum Familientisch fester und werden die Milchmahlzeiten weniger, steigt die zusätzliche Getränkemenge. Biete Wasser zu den Mahlzeiten und zwischendurch an. Wenn du unsicher bist, ob dein gestilltes Baby genug aufnimmt, helfen dir auch die Hinweise im Beitrag zur ausreichenden Versorgung mit Muttermilch.

Trinkmenge für Kinder: die Tabelle

Ab dem ersten Geburtstag können Richtwerte nach Alter bei der Orientierung helfen. Sie sind keine Mindestmenge, die dein Kind jeden Tag genau erreichen muss.

AlterGetränke pro Tag
1–3 Jahreca. 800 ml
4–6 Jahreca. 950 ml
7–9 Jahreca. 1 Liter
10–12 Jahreca. 1,2 Liter
Gerundete Richtwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) unter üblichen Alltagsbedingungen. Wasser aus Lebensmitteln kommt hinzu. Bei Hitze, viel Bewegung oder Krankheit kann der Bedarf steigen.

Die Tabelle meint Getränke, nicht den gesamten Wasserbedarf. Auch Obst, Gemüse, Joghurt und andere Speisen liefern Wasser. Wie viel dein Kind zusätzlich trinkt, hängt deshalb unter anderem vom Essen, von der Bewegung und vom Wetter ab.

Welche Getränke sind geeignet?

Wasser ist der beste Durstlöscher für Babys und Kleinkinder. Besondere Kindergetränke oder Säfte sind dafür nicht nötig.

Leitungswasser kannst du frisch und kalt aus der Leitung entnehmen. Lass es vorher ablaufen, bis es kühl herauskommt. Wasser aus Bleileitungen ist ungeeignet; bei einem eigenen Hausbrunnen muss die Trinkwasserqualität geprüft sein. Als Alternative für Babys eignet sich stilles Mineralwasser mit dem Hinweis „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“.

Ungesüßter, geeigneter Früchte- oder Kräutertee kann gelegentlich Abwechslung bieten. Er sollte Wasser aber nicht dauerhaft ersetzen. Kamillentee ist ein Heilkräutertee und kein täglicher Baby-Durstlöscher. Auch Fencheltee ist für Babys und Kleinkinder kein empfehlenswertes Alltagsgetränk: Wegen des enthaltenen Estragols bestehen Sicherheitsbedenken.

Diese Getränke sind für Babys und Kleinkinder keine geeigneten Durstlöscher:

  • Säfte und Saftschorlen: Auch ohne zugesetzten Zucker enthalten sie Zucker und Säuren, die unter anderem die Zähne belasten können.
  • Limonaden, gesüßte Tees und viele Instanttees: Sie liefern Zucker, obwohl Wasser den Durst ebenso löscht.
  • Koffeinhaltige Getränke: Dazu gehören Cola, Kaffee, Schwarz- und Grüntee, viele Eistees sowie Energydrinks.

Was hilft bei kleinen Trinkmuffeln?

Regelmäßiges Anbieten hilft mehr als Drängen. Dein Kind kann das Trinken in kleinen Schritten lernen.

So kannst du es im Alltag unterstützen:

  • Ein Getränk zum Essen dazustellen: Biete zusätzlich nach dem Spielen, unterwegs und zwischendurch Wasser an.
  • Gemeinsam trinken: Greife selbst regelmäßig zum Wasserglas. Dein Kind kann sich viel bei dir abschauen.
  • Einen offenen Becher ausprobieren: Halte ihn beim Baby mit fest und lass dein Kind aufrecht sitzen. Kleine Schlucke reichen zum Üben.
  • Angenehme Temperatur wählen: Manche Kinder mögen Wasser lieber zimmerwarm als kalt. Dafür braucht es keine süßen Zusätze.

Es ist normal, dass beim Üben etwas danebenläuft. Biete später wieder Wasser an, wenn dein Kind gerade nicht trinken möchte. Überlasse ihm die Flasche nicht zum ständigen Nuckeln oder als Einschlafhilfe; das kann die Zähne schädigen.

Wie viel dein Kind trinkt, kann von Tag zu Tag schwanken. Achte neben der Menge auch darauf, ob es munter ist und wie gewohnt Urin lässt.

Wie viel trinken bei Hitze?

Bei Hitze steigt der Flüssigkeitsbedarf. Für vollständig mit Milch ernährte Babys gelten dabei andere Hinweise als für Kinder, die schon viel feste Nahrung essen.

Biete deinem gestillten Baby häufiger die Brust an. Ein gesundes Baby, das vollständig Säuglingsnahrung bekommt, kann ebenfalls öfter nach Bedarf trinken. Zusätzliches Wasser ist allein wegen der Sommerhitze normalerweise nicht nötig. Bereite die Milch immer im angegebenen Verhältnis von Pulver und Wasser zu – verdünnte Nahrung ist kein geeigneter Durstlöscher. Mehr dazu steht im Beitrag zur Zubereitung der Babyflasche.

Wenn dein Kind bereits zusätzliche Getränke bekommt, biete bei Wärme häufiger Wasser an. Nimm für Ausflüge etwas zu trinken mit und plane Pausen im Schatten. Eine pauschale Zusatzmenge passt nicht für jedes Kind.

Bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen

Bei einer Erkrankung kann ein Kind viel Flüssigkeit verlieren. Besonders Babys und kleine Kinder können dadurch schnell austrocknen.

Bei Durchfall oder Erbrechen gehen auch Salze verloren. Eine passende Elektrolyt-Glukose-Trinklösung aus der Apotheke kann diese Verluste ersetzen. Bereite sie genau nach Packungsanweisung zu und gib bei Erbrechen zunächst häufig kleine Schlucke oder Löffel. Wenn du stillst, lege dein Kind weiterhin an. Bei einem jungen Säugling oder wenn du unsicher bist, hole früh kinderärztlichen Rat. Wasser oder Tee allein gleichen größere Salzverluste nicht ausreichend aus.

Nicht jedes Kind mit Flüssigkeitsmangel braucht eine Infusion. Häufig lässt sich die fehlende Flüssigkeit über eine geeignete Trinklösung ersetzen. Bei stärkerer Austrocknung oder wenn dein Kind kaum etwas bei sich behält, muss eine Ärztin oder ein Arzt die Behandlung festlegen.

Wann braucht dein Kind ärztliche Hilfe?

Auffällig wenig Urin, Trinkschwäche oder ein deutlich schlechter Allgemeinzustand sind Gründe, rasch Hilfe zu holen. Warte nicht, bis dein Kind teilnahmslos wirkt.

Achte unter anderem auf deutlich weniger nasse Windeln, einen trockenen Mund, eingesunkene Augen oder ungewöhnliche Schläfrigkeit. Bei Babys kann auch eine eingesunkene Fontanelle auffallen. Wenn dein Kind kaum trinkt, wiederholt erbricht oder solche Veränderungen zeigt, wende dich zeitnah an die Kinderarztpraxis. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die 116117.

Rufe bei Bewusstlosigkeit, kaum möglicher Weckbarkeit, schwerer Atemnot oder Kreislaufzusammenbruch sofort die 112. Das sind Notfallzeichen. Versuche nicht, einem bewusstlosen Kind etwas zu trinken einzuflößen.

Auch ungewöhnlich starker, anhaltender Durst sollte abgeklärt werden, besonders wenn dein Kind gleichzeitig sehr viel Urin lässt oder Gewicht verliert. Das ist etwas anderes als mehr Durst nach dem Toben oder an einem warmen Tag.

Biete deinem Kind regelmäßig Wasser an und begleite das Trinkenlernen mit Geduld. Die Mengen helfen bei der Orientierung; bei auffälligen Veränderungen zählt der Blick auf dein Kind mehr als der Vergleich mit einer Tabelle.

Häufige Fragen zur Trinkmenge


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Jacqueline Esser
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Jacqueline Esser

Mutter, Erzieherin, Autorin

Jacqueline ist Fachwirtin für Kita- und Hortmanagement, Inklusions- und Integrations-Pädagogin, Fachkraft für U3 Betreuung und staatlich anerkannte Erzieherin. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihr Wissen und ihre Erfahrung schöpft sie also aus beruflichen und privaten Herausforderungen. Das macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.
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